SMS statt Essen

Kenia erlebt derzeit ein Handy-Wirtschaftswunder. In dem Land mit 40 Millionen Einwohnern werden mittlerweile 20 Millionen Handys betrieben. Dank des innovativen Dienstes "M-Pesa" des Mobilfunkmarkführers "Safaricom" erleichert sich dadurch das Leben vieler Menschen. In einem Land in dem die wenigsten ein Bankkonto besitzen, hat das Unternehmen eine unkomplizierte Variante des bargeldlosen Geldtransfers geschaffen. Die gewünschten Beträge können einfach von einem Handy auf ein anderes übertragen werden. Die zunehmende Verbreitung von Mobiltelefonen erleichtert ferner nicht nur die Alltagskommunikation, sondern wirkt sich vor allem auf die Mikroökonomie aus. Handwerker sind auch unterwegs erreichbar und können schneller disponieren. Fuhrunternehmer reagieren flexibel auf Angebot und Nachfrage. Farmer und Fischer können sich nun über Marktpreise informieren und so ihre Lagerhaltung und Verkäufe weitaus profitabler als zuvor organisieren. Zehn Prozent mehr Handys in der Gesamtbevölkerung erhöhen einer Untersuchung der London Buisness School zufolge das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern um 0,6 Prozent.
Ein Nebeneffekt dieses Trends ist aber auch, dass die Menschen zunehmend Entbehrungen in Kauf nehmen, um das Mobiltelefon zu finanzieren. So wird beispielsweise auf eine Mahlzeit oder Busfahrt verzichtet, in der Hoffnung durch einen Anruf oder eine SMS an mehr Nahrung oder Geld zu kommen. Die Entbehrungen beziffern sich in einer Woche auf etwa 84 Cent, kein kleiner Betrag, wenn man täglich von weniger als 2,50$ leben muss.

Information:
http://www.economist.com - http://www.spiegel.de/netzwelt
http://www.theeuropean.de/uta-schwarz/677-mobilfunk-in-afrika

 

Redaktion (ss)