Bildung in Chile
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Unter Pinochet begann in Chile die Privatisierung des Bildungssystems. Heute sind die Folgen deutlich zu spüren. 1981 ließ die Diktatur die Gründung privater Hochschulen durch jedermann zu. Nun verteilen sich etwa 600.000 Studenten auf 60 Hochschulen, 35 davon sind privat. Die Privaten sind natürlich in der Regel deutlich besser ausgestattet. Ein Jahr an diesen Unis kostet allerdings rund 6.000 Euro. Bei den öffentlichen Hochschulen sind es etwa 4.000. Das Land bestreitet dabei gerade mal 14,6 Prozent der Gesamtfinanzierung von Bildungseinrichtungen des Tertiärbereichs, im OECD-Durchschnitt sind es 70 Prozent. 80 Prozent müssen die Familien aufbringen, wobei Drei Fünftel der Chilenen im Schnitt gerade 800 Euro im Monat verdienen. Auch wenn es den Universitäten per Gesetz verboten ist Gewinne zu machen kontrolliert dies niemand ernsthaft, wie auch letzte Enthüllungen zeigen. So kam raus, dass die private Universidad del Mar über Monate ihren Lehrkräften und Angestellten rund 800.000 Euro an Löhnen und Sozialleistungen vorenthielt, zugleich aber ihren Teilhabern über fingierte Immobiliengeschäfte rund eine Million Euro auszahlte. Außerdem bot die Uni teure Medizinstudiengänge an, ohne über Labore zu verfügen. Dass diese völlig unregulierte Industrie mit einem Finanzvolumen von rund 4 Milliarden Euro im Jahr sehr lukrativ ist, haben mittlerweile auch einige Hedgefonds-Manager entdeckt, die seit 2003 diverse chilenische Unis und Fachhochschulen aufkaufen.
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http://www.taz.de/!105934/
Redaktion (ss)